Vollzugsformen

Aufseher steht im Gang des Untersuchungsgefängisses mit Türen zu Zellen links

Gang im Untersuchungsgefängnis mit Türen zu den Zellen.

Ambulante Behandlung

Eine ambulante Massnahme wird vom Gericht angeordnet. Ziel ist es, eine psychische Störung und/oder eine Abhängigkeit von Suchtstoffen (z.B. Drogen oder Alkohol) bzw. eine andere Abhängigkeit (z.B. Spielsucht) zu behandeln und damit in Zusammenhang stehende weitere Straftaten zu verhindern.

Dauer

Die Massnahme der ambulanten Behandlung dauert in der Regel fünf Jahre. Sie wird jährlich überprüft. Das Gericht kann die Behandlung auf Antrag der Vollzugsbehörde um ein bis fünf Jahre verlängern.

Die Vollzugsbehörde kann für maximal zwei Monate eine vorübergehende stationäre Behandlung anordnen, wenn diese zur Einleitung der ambulanten Behandlung sinnvoll erscheint.

Vollzugsort

Die ambulante Behandlung findet entweder während der Haft oder in Freiheit statt. In beiden Fällen erfolgt sie durch eine ärztliche, therapeutische oder anderweitig spezialisierte Fachperson.

Aufhebung der ambulanten Massnahme

Die ambulante Massnahme wird durch die zuständige Behörde aufgehoben, wenn sie erfolgreich abgeschlossen wurde oder eine Fortführung aussichtslos erscheint. Sie wird auch beendet, wenn die gesetzliche Höchstdauer für die Behandlung einer alkohol-, betäubungsmittel- oder arzneimittelabhängigen Person erreicht ist.

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Arbeitsexternat und Wohnexternat

Im Arbeitsexternat arbeitet die verurteilte Person in der Regel ausserhalb der Vollzugsinstitution. Sie verbringt die Ruhe- und Freizeit jedoch innerhalb derselben. Voraussetzung für das Arbeitsexternat ist, dass keine Flucht- und keine Fortsetzungsgefahr besteht. Bei einem Arbeitsexternat wird zusätzlich vorausgesetzt, dass die verurteilte Person in der Regel mindestens die Hälfte der Strafe bereits verbüsst hat.

Bewährt sich die verurteilte Person im Arbeitsexternat, so erfolgt der weitere Vollzug in Form des Wohn- und Arbeitsexternats. Dabei wohnt und arbeitet die verurteilte Person ausserhalb der Anstalt, untersteht aber weiterhin der Strafvollzugsbehörde.

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Electronic Monitoring

Electronic Monitoring ist der Vollzug einer Freiheitsstrafe mittels eines am Fussgelenk angebrachten Senders. Die verurteilte Person hat sich an einen vorgegebenen Zeitplan zu halten und verbringt ihre Freizeit zu Hause. Während des Vollzugs geht sie weiter ihrer Arbeit oder Ausbildung nach und wird sozial betreut.

Electronic Monitoring ist für Kurzstrafen von 20 Tagen bis zu zwölf Monaten vorgesehen. Bei längeren Freiheitsstrafen kann sie anstelle der letzten Haftmonate oder anstelle des Arbeitsexternats beantragt werden. Vorausgesetzt werden ein Arbeitsverhältnis bzw. eine laufende anerkannte Ausbildung oder eine geeignete anderweitige Tagesstruktur (mit Erziehungsaufgaben betraute Menschen oder Invalide usw.) sowie ein fester Wohnsitz.

Merkblatt:

Merkblatt Electronic Monitoring (PDF, 15 KB; nicht barrierefrei)

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Freiheitsstrafe

Die Dauer der Freiheitsstrafe beträgt in der Regel mindestens sechs Monate und maximal lebenslänglich. Nur ausnahmsweise werden vom Gericht kurze, unbedingte Freiheitsstrafen gesprochen.

Vollzug:

Die Freiheitsstrafe wird in einer Strafanstalt (Gefängnis) vollzogen. Im Regelfall erfolgt der Strafantritt im Untersuchungsgefängnis Basel-Stadt.

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Gemeinnützige Arbeit

Die gemeinnützige Arbeit ist eine selbstständige gerichtliche Sanktionsart. Es werden maximal 720 Stunden zum Vollzug angeordnet. Geldstrafen oder Bussen können in der Form von gemeinnütziger Arbeit geleistet werden. Die verurteilte Person muss dafür einen Antrag ans Gericht stellen.

Die gemeinnützige Arbeit wird im Vollzugszentrum Klosterfiechten oder in einer sozialen Institution geleistet. Eine bedingte Entlassung ist nicht möglich.

Möchten Sie eine Busse abverdienen statt bezahlen?

Dann kontaktieren Sie das Vollzugszentrum Klosterfiechten
Tel. +41 61 365 75 68 / 42
Offene Sprechstunde: jeweils donnerstags von 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr

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Halbgefangenschaft

Während der Halbgefangenschaft geht die verurteilte Person weiter ihrer Arbeit oder Ausbildung nach. Die Ruhe- und Freizeit verbringt sie in der Anstalt. Die Halbgefangenschaft ist für Strafen bis zu einem Jahr vorgesehen. Verbleibt nach Anrechnung der Untersuchungshaft eine Reststrafe von weniger als sechs Monaten, so kann diese in Form der Halbgefangenschaft vollzogen werden. Hauptvoraussetzung ist ein Arbeitsverhältnis oder eine laufende anerkannte Ausbildung.

Der Vollzug der Halbgefangenschaft findet in der Regel im Vollzugszentrum Klosterfiechten statt, bei Wohnort ausserhalb des Kantons Basel-Stadt auch in ausserkantonalen Anstalten und Institutionen.

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Stationäre therapeutische Massnahmen

Stationäre Massnahme bei psychischen Störungen

Steht eine Straftat in Zusammenhang mit einer psychischen Störung, so kann die Behörde eine stationäre therapeutische Massnahme anordnen. Ziel der Massnahme ist es, die  Störung zu behandeln, damit die verurteilte Person keine weiteren Straftaten begeht.

Die Massnahme dauert in der Regel fünf Jahre. Das Gericht kann die Massnahme auf Antrag der Vollzugsbehörde um jeweils fünf Jahre verlängern.

Die stationäre Behandlung erfolgt in der Regel in einer geeigneten psychiatrischen Einrichtung oder in einer Massnahmenvollzugseinrichtung.

Stationäre Massnahme bei Sucht

Steht die Straftat in Zusammenhang mit einer Sucht oder einer anderen Abhängigkeit, so kann die Behörde ebenso eine stationäre therapeutische Massnahme anordnen.  Ziel der Massnahme ist es, diese Abhängigkeit zu behandeln und zu verhindern, dass die verurteilte Person rückfällig wird.

Die Dauer der Massnahme beträgt in der Regel drei Jahre. Das Gericht kann sie auf Antrag der Vollzugsbehörde einmal um ein weiteres Jahr verlängern.

Die Massnahme wird stationär in einer spezialisierten Institution oder psychiatrischen Einrichtung vollzogen.

Stationäre Massnahme für junge Erwachsene

Als junge Erwachsene gelten Personen, die zur Zeit der Tat noch nicht 25 Jahre alt waren. Steht die Tat in Zusammenhang mit einer erheblichen Störung in der Persönlichkeitsentwicklung, so kann die Behörde eine stationäre Massnahme anordnen. Ziel der Massnahme ist es, die Störung der Persönlickeitsentwicklung zu behandeln, damit die junge Person keine weiteren Straftaten begeht.

Die Dauer der Massnahme für junge Erwachsene beträgt höchstens vier Jahre. Im Falle einer Rückversetzung nach bedingter Entlassung liegt die Höchstdauer insgesamt bei sechs Jahren. In jedem Fall ist die Massnahme nach Vollendung des 30. Altersjahrs des Täters aufzuheben.

Die Durchführung der stationären Massnahme für junge Erwachsene erfolgt in speziellen Massnahmenvollzugseinrichtungen. Diese Einrichtungen sind von den übrigen Anstalten getrennt zu führen.

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Verwahrung

Die Verwahrung dient in erster Linie der öffentlichen Sicherheit. Sie wird bei Verurteilten ausgesprochen, die für die Öffentlichkeit eine Gefahr darstellen.

Die Verwahrung wird in der Regel in einer Strafanstalt oder einer Massnahmenvollzugseinrichtung vollzogen.

Dauer

Die bedingte Entlassung aus der Verwahrung erfolgt, sobald zu erwarten ist, dass sich die verurteilte Person in der Freiheit bewährt.

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Bedingte Entlassung

a) bei Freiheitsstrafen

In der Regel wird die verurteilte Person nach einer Strafverbüssung von zwei Dritteln einer Strafe, frühestens jedoch nach 3 Monaten, vorzeitig (bedingt) aus dem Freiheitsentzug entlassen. Ausnahmsweise ist eine bedingte Entlassung nach der Hälfte der Strafverbüssung, minimal jedoch nach 3 Monaten, möglich. Eine spezielle Regelung gilt bei einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Hier ist eine bedingte Entlassung frühestens nach 15, ausnahmsweise nach 10 Jahren möglich.

Die bedingte Entlassung muss mit einer Probezeit zwischen ein und fünf Jahren versehen werden. Während der Probezeit ordnen die Behörden in der Regel Bewährungshilfe an. Der Erlass von Weisungen ist möglich.

b) bei stationären therapeutischen Massnahmen

Sobald der Zustand der verurteilten Person es rechtfertigt, sich in der Freiheit zu bewähren, wird die Person bedingt aus der Massnahme entlassen. Die Vollzugsbehörde hat jährlich über die bedingte Entlassung zu befinden. Bei der bedingten Entlassung wird entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen eine Probezeit angeordnet.

Die Vollzugsbehörde kann Bewährungshilfe und Weisungen anordnen. Steht die Prüfung der bedingten Entlassung von Personen an, die ein Anlassdelikt begangen haben, kommen besondere Bestimmungen zur Anwendung. Als Anlassdelikt gemäss Art. 64 StGB gelten Mord, vorsätzliche Tötung, schwere Körperverletzung, Vergewaltigung, Raub, Geiselnahme, Brandstiftung, Gefährdung des Lebens oder eine andere mit einer Höchststrafe von fünf Jahren bedrohte Tat.

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Weisungen

Weisungen und Auflagen sind Verhaltensvorschriften an die verurteilte Person während des Straf- und Massnahmenvollzugs oder im Zusammenhang mit einer bedingten Entlassung. Sie werden von der Vollzugsbehörde angeordnet und von der Bewährungshilfe oder der zuständigen Straf- oder Massnahmeninstitution kontrolliert.

Weisungen betreffen insbesondere:

  • die Berufsausübung;
  • den Aufenthalt;
  • das Führen eines Motorfahrzeugs;
  • das Verbot, Drogen und Alkohol zu konsumieren;
  • den Schadensersatz;
  • ärztliche bzw. psychologische Betreuung.

Eine Weisungen dauert bei der bedingten Entlassung in der Regel so lange wie die Probezeit.

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Bewährungshilfe

Die Vollzugsbehörde kann bei der Anordnung einer bedingten Entlassung aus dem Strafvollzug oder dem stationären Vollzug einer Massnahme Bewährungshilfe für die Dauer der Probezeit anordnen.

Mit der Bewährungshilfe sollen die betreuten Personen vor Rückfälligkeit bewahrt und sozial integriert werden. Die für die Bewährungshilfe zuständige Behörde leistet und vermittelt die hierfür erforderliche Sozial- und Fachhilfe.

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